Achendelta Naturschutzgebiet, Sonstige Natursehenswürdigkeit

Die Mündung der Tiroler Achen in den Chiemsee ist ein in Mitteleuropa einzigartiges Binnendelta...

Mündung der Tiroler Achen in den Chiemsee

Die Tiroler Ache ist der größte Zufluss des Chiemsees, der seinen Ursprung in den Kitzbühler Alpen hat. Das Achendelta ist die Mündungszone der Tiroler Achen in den Chiemsee und gilt als eines der am besten ausgebildeten Binnendeltas in Mitteleuropa; 1954 wurde es unter Naturschutz gestellt. Das etwa fünf Quadratkilometer große Gebiet wächst verhältnismäßig rasch, da bei Niederschlägen eine große Menge an sogenannten Schwebstoffen aus dem Gebiet um Kitzbühel in die Tiroler Ache und letztlich in den Chiemsee eingeschwemmt wird. Das Delta wächst auf diese Weise etwa um einen Hektar pro Jahr. Da der Chiemsee 8.000 Hektar groß ist, errechnet sich daraus eine "Restlebenszeit" des Bayerischen Meeres von rund 8.000 Jahren. Deltawachstum und Verlandung haben sich allerdings in den vergangenen Jahrzehnten verlangsamt; Ursache dafür sind vor allem wasserbauliche Maßnahmen im Ober- und Unterlauf.

Flora und Fauna

Das Achendelta ist eine Naturlandschaft mit einer faszinierenden Biotopvielfalt. Wegen der seltenen Vogelarten wurde 1986 das Achendelta zur Kernzone erklärt, die nicht betreten werden darf. Auch Wissenschaftler dürfen das Mündungsgebiet allenfalls mit Ausnahmegenehmigung der Regierung von Oberbayern betreten und so kann ein weitgehend störungsfreier Lebensraum gesichert werden. Dem Publikum stehen zwei Beobachtungstürme mit kostenlosen Fernrohren zur Verfügung; vom Beobachtungsturm Lachsgang/Übersee kann man die Westseite des Deltas betrachten, von dem Turm an der Hirschauer Bucht die Ostseite. Darüber hinaus finden in regelmäßigen Abständen Erlebnisbootfahrten statt, bei denen sich Ihnen ein einzigartiger Überblick über das gesamte Tiroler Achendelta mit seinen weit verzweigten Schlamm- und Kiesbänken und dem verästelten System der Haupt- und Nebenarme der Tiroler Achen bietet.

Das ganze Gebiet bildet mit dem südlich angrenzenden Auwald und dem Grabenstätter Moos ein 1.250 Hektar großes Naturschutzgebiet von internationaler Bedeutung. Rund um den Chiemsee wurden seit 1950 rund 300 Vogelarten registriert; 145 verschiedene Vogelarten brüten sogar regelmäßig im Schutzgebiet. Zu den selteneren Brutvögeln der letzten Jahrzehnte im Naturschutzgebiet gehören Schwarzhalstaucher, Kormoran, Schellente, Gänsesäger, Wespenbussard, Schwarzmilan, Rohrweihe, Baumfalke, Tüpfelralle, Wachtelkönig, Bekassine sowie früher Zwergdommel.

Aber nicht nur die Tierwelt, auch die Vegetation im Achendelta ist sehr interessant. Pflanzensoziologen unterscheiden zwischen der Pioniervegetation, dem Röhricht mit Schwimmblattzone und Jungweidengebüsch im äußeren Deltabereich sowie Silberweiden-, Grauerlen- und Erlen-Eschenwald. Der seltene Straußfarn ist im Naturschutzgebiet vertreten und die unter Naturschutz stehende Sibirische Schwertlilie hat im Grabenstätter Moos den wohl größten Bestand in ganz Mitteleuropa. Ebenso lassen sich Mehlprimeln, Trollblumen, Lungen-Enzian sowie viele Orchideenarten finden.

Naturführung und Erlebnisbootfahrt an das Delta der Tiroler Achen >>

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