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Römerfieber am Chiemsee

Silbermünzen, Mauerreste mit Fresken, römisches Geschirr und vieles mehr. Die Region ist eine wahre antike Schatzgrube, denn in dem Gebiet um den Chiemsee befinden sich zahlreiche römische Gutshöfe.

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Eine Geschichte über die Römerregion Chiemsee von unserer Autorin Annette Marquard-Mois:

„Eine römische Villa in Bernau?“ Ich konnte kaum glauben, was mir die Kulturreferentin meiner Gemeinde gerade erzählte: Mitten im Ortszentrum lägen verborgen im Boden die Grundmauern einer Villa und eines römischen Badehauses, rund 2000 Jahre alt! Meine Neugier war geweckt. Glücklicherweise hatte auch andere Bernauer schon das „Römerfieber“ gepackt, so dass ich schnell mehr erfuhr. Ein Schuldirektor a.D. hatte 2013 in einer Veröffentlichung zusammengetragen, was über die römischen Bernauer herauszufinden war – und das war eine ganze Menge.

In der Vergangenheit hatte man Münzen gefunden, Scherben von römischem Geschirr, Mauerreste von farbigen Fresken, Ziegel einer römischen Fußbodenheizung, Bronzeteile eines römischen Wagens und sogar eine römische Inschrift, in der ein Lucius Terentius Verus und eine Seppia Praesentia genannt sind. Am meisten beeindruckte mich, was ich von den Forschungen einer jungen Wissenschaftlerin las: Mit Bodenradar-Messungen konnte sie 2012 ganz ohne Grabungen genau die Lage der Bernauer Gutsgebäude am Fuß des Hitzelsberges hinter dem Haus des Gastes nachweisen. Ich erfuhr, dass die Forscherin mehrere Bodendenkmäler dieser Art rund um den Chiemsee untersucht hatte. Mehrere römische Gutshöfe rund um den See! Es wurde immer interessanter.

Ein Telefonat mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ergab noch Erstaunlicheres. „Sie haben einen ungehobenen Schatz in ihrer Region,“ antwortete mir der Referent auf meine Frage nach römischen Gebäudefunden am Chiemsee. „Nirgends im Alpenvorland wurden so viele römische Gutshöfe nachgewiesen, die derart üppig ausgestattet waren.“ Auf die Frage, wie dieser Schatz gehoben werden könnte, verwies er mich auf seinen Kollegen bei der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern. „Der hat schon mehrere Projekte betreut, in denen Geschichte sichtbar gemacht wurde.“

Ein guter Tipp! Denn von dem Leiter der Landesstelle in München bekam ich bei meinem Besuch erste konkrete Ideen, wie wir hier am Chiemsee die römische Besiedlung sichtbar machen könnten. Man könnte zum Beispiel sogenannte „Fenster in die Vergangenheit“ aufstellen: durch ein Guckloch blickt man auf die maßstabgerechte Abbildung eines Gebäudes an der Stelle, wo es tatsächlich einmal stand, und bekommt einen genauen Eindruck von Größe und Position. Das Foto von einem solchen „Fenster“, mit dem in Bernbeuren eine römische Befestigung sichtbar gemacht worden war, beeindruckte mich. „Das Bernauer Römer-Landgut so auferstehen lassen, das wäre eine schöne Sache,“ dachte ich mir, hatte aber keine Vorstellung, wie dieser Plan verwirklicht werden könnte.

Ein weiterer Hinweis sollte sich als entscheidend erweisen: „In Grabenstätt wohnt eine provinzialrömische Archäologin, die ist die Spezialistin in der Region“. Ich rief die genannte Nummer an und wir vereinbarten ein Treffen. Schnell wurde mir klar, dass Andrea Krammer genau über die Kenntnisse verfügte, nach denen ich gesucht hatte. In einem Wirtshausgarten ließ sie vor meinem inneren Auge Bilder entstehen von großen Landgütern mit Feldern und Vieh, mit Gärten, die in Terrassen angelegt waren, von Weinhängen, von einer römischen Straße, auf der Händler wie römische Soldaten zwischen Augsburg und Salzburg unterwegs waren, von den Handwerkern und römischen Beamten in der Siedlung, die an der Brücke über die Alz entstand und von einem Tempel, in dem Römer und einheimische Bevölkerung ihre Götter verehrten. Sie erzählte mir von dem Römermuseum Bedaium an diesem Ort, dem heutigen Seebruck. Dort würde anhand zahlreicher kostbarer Funde das Leben der damaligen Bevölkerung nachgezeichnet. Doch nicht nur in Seebruck, auch an anderen Orten um den See hätten Ehrenamtliche bereits einiges aus der Römerzeit zusammengetragen wie in Chieming, Breitbrunn, Grabenstätt oder Aschau. Andrea Krammer hatte sich intensiv mit römischen Inschriften befasst, die in mehreren Orten gefunden worden waren. Auf einmal standen Namen dieser römischen Siedler im Raum, Namen von Menschen, die hier vor vielen Jahrhunderten gelebt hatten. Und die Inschriften erzählten noch mehr: zum Beispiel, dass einige Römer Ratsherren im heutigen Salzburg waren, dass eine ganze Familie an einer ansteckenden Krankheit gestorben war oder dass römische Einwanderer und keltisch stämmige Einheimische zu einer Familie zusammengewachsen waren. Eine ungewöhnliche Vermischung der Kulturen ließe sich anhand der Funde feststellen. Nirgendwo sonst in den einst römischen Gebieten Bayerns seien die Voraussetzungen für die einheimische Bevölkerung unter der römischen Herrschaft ähnlich günstig gewesen. Das beeindruckte mich am meisten: In der Region hatte es keine Eroberung gegeben und keine kriegerischen Handlungen wie zum Beispiel im Pfaffenwinkel oder am Limes in Franken. Bei Eiskaffee beschlossen wir, das unsere zu tun, um diese spannenden Zusammenhänge dem Vergessen zu entreißen.

Jetzt galt es, die Idee den Gemeinden zu vermitteln und einen passenden Fördertopf zu finden. Glücklicherweise gibt es in unserer Region zwei lokale Aktionsgruppen für das europäische LEADER-Förderprogramm, das genau solche Initiativen unterstützt. Auch der Bernauer Gemeinderat hatte bereits Interesse signalisiert. Nun konnte ich dem Bernauer Bürgermeister von meinen Entdeckungen berichten und er, der selbst schwer vom „Römerfieber“ gepackt war, lud seine Kollegen und Kolleginnen im Januar 2018 zu einer Besprechung ein.

Ich mache es kurz: Das Römerfieber war sehr ansteckend!

Letztendlich beschlossen elf Gemeinden rund um den Chiemsee, gemeinsam den Schatz zu heben: Aschau, Bad Endorf, Bergen, Bernau, Breitbrunn, Chieming, Grabenstätt, Grassau, Pittenhart, Prien und Seeon-Seebruck. Das war die Geburtsstunde der RÖMERREGION CHIEMSEE. Drei Jahre später steht die Römerregion Chiemsee mit 27 frei zugänglichen Stationen, 7 Indoor-Stationen, Informationstafeln und virtuellen Rekonstruktionen, der Geschichte von Marcus und Annilio, die Kinder durch die Römerregion begleitet, und einer eigenen Webseite mit vielen zusätzlichen Informationen.

Es gäbe noch viel zu erzählen: von den schönen Plätzen, an denen die römischen Gutshöfe einst standen, von den engagierten Ehrenamtlichen, durch die unser Projekt Wirklichkeit wurde, von einem verantwortungsvollen Sondengeher, von Wissenschaftlern, die uns unterstützten, von dem norischen Eisen, einem Silberschatz, Mosaiken, Fluchthöhlen und vielem mehr. Ach ja, ehe ich es vergesse: Die Bernauer Römervilla, die eigentlich ein Gutshof ist, kann man in Bernau hinter der Tourist-Information als „Fenster in die Vergangenheit“ besichtigen.

- Annette Marquard-Mois -