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Petersbergl

Spannende und persönliche Geschichte rund um das "Petersbergl" bei Flintsbach a.Inn

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Auf dem Petersbergl unterwegs mit unserer Autorin Andrea Strauß

Imposant steht der Burgturm gegen das Blau des Himmels, dem mächtigen Adelsgeschlecht würdig, das ihn erbaut hat. Doppelt und dreifach ist die Anlage gesichert: Nach Osten, Süden und Westen schützen steile Felsabbrüche vor Angreifern aus dem Inntal unten. Eine Ringmauer mit einem Kranz aus Zinnen wehrt den Feind ab, und dann ist da noch das Erkennungszeichen der Grafen von Falkenstein mit dem Greifvogel im großen farbigen Wappen. Mit den Falkensteinern legt sich keiner an! Nirgendwo in Bayern ist man daher sicherer als hier, auf der Hausburg der Grafen.

Zumindest war das so vor rund 900 Jahren am Petersbergl bei Flintsbach. Der Burgturm mit seinen Mauern, den Zinnen, dem Fachwerkaufbau und der farbenprächtigen Bemalung existiert aber leider nur noch in meinem Kopf. Sie ist nicht mehr als eine Rekonstruktion, die sich mit den Mauerresten auf einer der Bergkuppen ein paar hundert Meter über dem Inn, einer kostbaren, hochmittelalterlichen Zeichnung der ehemaligen Burg, alten Rittergeschichten und viel Fantasie behilft. Eine Fantasie, die die meisten jungen Besucher in überbordendem Maß auch mitbringen, wenn sie mit den Eltern auf den kleinen Steigen im Wald nach Burgresten suchen.

Wo Forscher in langer Arbeit Grundrisse erstellen, baut Kinderfantasie die alte Falkensteiner Burg in Sekundenschnelle wieder auf. Da mühen sich die Pferde der Feinde schwer schnaufend den steilen Wald aus dem Inntal herauf, da nickt der Burgherr ehrfürchtig zum Kloster St. Peter auf der nächsten Bergspitze hinauf, da steht  das Burgfräulein an den Zinnen und genießt den Ausblick auf die Felswände ringsum. Für die oberbayerischen Voralpen ist die Szenerie ungewöhnlich wild: Großer Madron, Kleiner Madron und Maiwand westlich des Inntals, die vier Heuberggipfel und das Kranzhorn jenseits - alle zeigen sie ihre extrafelsige Seite. Es ist fast wie im Himalaya.

Die Burgruine Altfalkenstein ist jedenfalls einen Besuch am Petersbergl wert, auch wenn es nicht mehr zu sehen gibt, als ein paar geheimnisvolle Mauerreste in exponierter Lage. Aber sie ist längst nicht der einzige Grund für einen Besuch. Das Petersbergl ist für uns auch sonst ein besonderer Berg. Das erkennt der Einheimische leicht an der liebevollen Verkleinerungsform. Denn zum „Bergl“ wird ein Berg nicht, weil es ihm an Höhe mangelt, sondern weil wir ihn liebhaben. Genauso wie der Seppei, der Michl und das Xaverl gut 1,90 Meter große Hünen im besten Mannesalter sein können. Lieb müssen sie sein, sonst bleiben sie für immer der Josef, der Michael und der Xaver.

Wer nicht auf Entdeckungstour im Wald gehen will, kommt beim Anstieg zum Petersbergl ganz bequem an der neuen Burg der Falkensteiner vorbei - wobei, was heißt schon „neu“. Auch die neue Burg, die nur wenig oberhalb der Ortschaft steht und von der der Bergfried noch erhalten ist, ist rund 700 Jahre alt. Die mächtigen Falkensteiner hatten sich nämlich die falschen Freunde ausgesucht und als die Wittelsbacher irgendwann bayerische Herzogsfamilie wurden, standen die Falkensteiner auf der Seite ihrer Gegner. Aus heutiger Sicht ging es von da an rasant bergab mit den mächtigen Falkensteinern. Die männlichen Erben gingen aus, ihre Güter wurden konfisziert, die Burg Altfalkenstein geschleift und - dann schon nicht mehr von den richtigen Falkensteinern - die „neue“ Burg weiter unten gebaut - vielleicht faszinierten uns früher allein deshalb die Mauerreste mehr als der Neubau?  

Am Petersbergl haben wir als Kinder aber nicht nur die Ruinen der Burg Altfalkenstein fernab aller Wege zum Leben erweckt, wir haben auch unseren ersten hohen Berg erklommen, meist den Kleinen Madron, wie das Petersbergl auf Karten heißt. Kluge Eltern und weise Großeltern haben die einstündige Bergtour oben am Gasthaus Petersberg mit einem Stück Kuchen und einem Kaba belohnt. Selbst haben sie vielleicht einen Blick in die Wallfahrtskirche St. Peter aus dem 12. Jahrhundert geworfen, bevor sie gegenüber beim Wirt unter dem Schatten der Bäume mit Bier und Brotzeit oder mit Kaffee und Kuchen diesen himmlischen Platz, die großartige Aussicht und den geschenkten Tag gefeiert haben.

Mit „Weißt du eigentlich, warum das Petersbergl Petersbergl heißt?“ hat man uns Kindern den Weg hinab ins Tal verkürzt. Der Heilige Petrus höchstpersönlich soll sich am Kleinen Madron nämlich mit dem Teufel ein Wettrennen geliefert haben. Auf halber Höhe hatten die zwei sich getroffen und zu streiten begonnen, wer als erster oben sei - Jungs eben! Der Teufel hatte einen Abkürzer genommen durchs Teufelsloch, Petrus war dennoch Erster gewesen. Heute würde man im einen Fall die Disqualifikation erwägen und im anderen über Doping munkeln, aber als Kinder waren wir begeistert, dass der Gute gewonnen hatte. Der Petrus war ein toller Typ!

Hätte das Rennen stattgefunden, dann wären die beiden aber nicht die Ersten am Petersbergl gewesen. Archäologen der Ludwig-Maximilians-Universität in München haben oben auf der Gipfelkuppe des Kleinen Madron Erstaunliches gefunden. Seit der frühen Bronzezeit gibt es Siedlungsspuren, auf dem Petersbergl wohnen also schon seit fast 4000 Jahren Menschen. Das ist früher als manch bekannter ägyptischer Pharao! Auch während der Kelten und später in der Römerzeit lebten Menschen hier oben. Im Mittelalter prägten dann die Falkensteiner unten von der Burg das Petersbergl und stifteten ein Benediktinerkloster, unsere heutige Wallfahrtskirche St. Peter.

Normal ist das alles nun wirklich nicht. Es gab und gibt in unserer Gegend besser erschlossene Bauplätze und saftigere Almweiden. Selbst wenn man berücksichtigt, dass vor ein paar tausend Jahren der Inn unten noch machte, was er wollte und seine Altwasserarme nicht nur romantische Naturidylle waren, sondern auch Heimat für viel ungesundes Getier, dann wundern sich die Forscher doch über die frühe Besiedlung so weit oben. Oder auch nicht, denn schön ist´s ja schon am Petersbergl. Und auch beim Blick vom Tal hinauf zur gut erkennbaren Wallfahrtskirche kann man kaum anders, als sich denken: Ah, da oben, da müsste es jetzt schön sein!

Wenn die Kinderbeine dann weiter liefen und der Radius größer wurde, konnte das Tagesziel auch die Asten sein. Vorbei am Petersbergl und am immer schon wie verwunschen wirkenden „Bauer am Berg“ ging es hinauf zu Bayerns höchstgelegenen Bergbauern. Auf 1100 Metern liegen mitten in einer geneigten Wiesenfläche zwei Bauernhöfe. Wenn der Kuchen dort oben noch besser schmeckte, dann wohl auch deshalb, weil der Weg herauf länger und anstrengender war.

Später hätten die Beine dann noch weiter laufen können. Aber die Burgruine kannten wir ja schon, das Bier am Petersbergl gab es im Tal einfacher und die Aussicht hätten wir nur dann toll gefunden, wenn ein paar interessante Gleichaltrige oben gewesen wären. Dem Petersbergl blieben wir aber trotzdem treu, denn die alten Falkensteiner hatten ihre Burg ja auf Felsen gebaut und an diesem Felsen konnte man klettern. Riesig ist der Klettergarten nicht, aber er liegt am Petersbergl. Und das Petersbergl ist für uns eben ein besonderer Berg.

- Andrea Strauß -