Nikolaus, Krampus, Perchten und Rauhnächte

Jedes Jahr freuen wir uns auf den Nikolaustag und die Perchtenläufe...

Der heilige Nikolaus

Der Nikolaustag am 6.12. führt zurück auf den heiligen Nikolaus von Myra, ein populärer Schutzpatron der Kinder. Vielerorts stellen die Kinder einen Stiefel oder Schuh am Vorabend des Nikolaustags vor die Tür, um vom Nikolaus beschenkt zu werden. Die Kinder erhoffen sich dann im Schuh süße Gaben wie Nüsse, Äpfel, Lebkuchen, Schokolade usw. zu finden. In der heutigen Zeit kommt der Nikolaus meist persönlich am Abend des 5. oder 6. Dezembers. Der Nikolaus will dann meist von den Kindern auch wissen, ob sie brav gewesen sind und auch fleißig das gemacht haben, was ihnen die Mutter befohlen hatte. Begleiter des Nikolaus ist in unserer Region stets der Krampus, eine Schreckensgestalt mit geschwärztem Gesicht, der den bösen Kindern einen Schrecken einjagen soll.

Ursprünglich war der Nikolaustag auch der Tag der Bescherung. Durch die Reformationen der evangelischen Kirche, die ja keine Heiligen kennt, wurde das Bescheren dann auf den Heiligen Abend verlegt. In unserer Region wurde dadurch der Nikolaus vom Christkind als Gabenbringer abgelöst.

Krampus- und Perchtenlauf

Schon bevor Weihnachten zu einem christlichen Feiertag wurde, war die Zeit um den 24. Dezember ein besonderes Fest. Man feierte den kürzesten Tag des Jahres, weil da die Kraft der Sonne wieder zunahm und die Tage länger wurden. Um die Wintersonnenwende rankte sich außerdem der Aberglaube, dass in den längsten Nächten des Jahres die bösen Geister am aktivsten seien. Daraus erklärt sich der alpenländische Brauch des Krampus- und Perchtenlaufens.

Was den Ursprung der Perchten angeht, so scheiden sich bereits an diesem Punkt die Geister deutlich. Während die einen meinen, dass die gruseligen Gestalten auf einen heidnischen Brauch zurückgehen und aus diesem Grund nicht mit der katholischen Kirche in Zusammenhang gebracht werden sollten, sind die anderen der Meinung, dass eben genau das Gegenteil der Fall ist und die Perchten sich eigentlich vom Dreikönigstag ableiten. Welche der beiden Geschichten nun stimmt, lässt sich heute kaum noch nachvollziehen, doch landläufig werden die Perchten im Namen der Geistervertreibung losgeschickt.

Dabei werden zunächst einmal zwei Gruppen unterschieden, die Schönperchten und die sogenannten Schiechperchten. Wie der Name bereits erkennen lässt, sind die Schönperchten eher freundliche Gesellen, welche mit Musik und freundlichen Klängen durch die Gegend ziehen und den Menschen wohlgesonnen sind. Gefürchteter sind da schon die Schiechperchten, die nicht selten auch dafür verantwortlich sind, dass kleine Kinder anfangen zu weinen. Sie haben schaurige Masken auf und sind meist mit Ruten oder Zweigen bewaffnet, welche sie auch mit Vorliebe einsetzen. Jeder, der nicht schnell genug laufen kann, bekommt eins mit der Rute und so sollte man sich von den Schiechperchten nach Möglichkeit eher fernhalten.

Beide Gruppen, also sowohl die Schönperchten als auch die Schiechperchten sind mit Peitschen und Glocken ausgestattet. Lautstark ziehen sie mit Peitschenknallen und Glockenläuten durch die Straßen, wobei auch geschossen wird, um die bösen Geister, die die Menschen vor allem in den langen, dunklen Winternächten wähnten, zu vertreiben. Die Haustüren werden dabei abgeschlossen, um das Unheil nicht hinein zu lassen, die Häuser mit Weihwasser und Weihrauch gereinigt. Auch der Stall wird dabei ausgeräuchert, um das wertvolle Vieh zu schützen. Der Besuch von Perchten wird bisweilen im Volksmund als glückbringendes Omen hochgehalten.

Die Rauhnächte

Die Rauhnächte (auch Raunacht oder Rauchnacht) sind die geheimnisvollste Zeit des Jahres. Der Name „Rauhnächte“ kommt einerseits vom Räuchern, mehr aber noch von rau - den wilden haarigen Dämonen, die in diesen Nächten ihr Unwesen trieben. Die Rauhnächte oder zwölf Nächte (auch Zwölf- oder Glöckelnächte) sind Nächte um den Jahreswechsel, denen im europäischen Brauchtum oft besondere Bedeutung zugemessen wird. Meist handelt es sich um die zwölf Nächte zwischen dem Heiligen Abend (24. Dezember) und dem Dreikönigstag (06. Januar), aber auch andere Zeiträume, beispielsweise zwischen dem Thomastag (21. Dezember) und Neujahr (01. Januar). Es gibt Unterschiede in der Anzahl der Rauhnächte, zwischen drei und allen zwölf Nächten je nach Region. Als die drei wichtigsten Raunächte werden die Christnacht, die Silvesternacht und die Nacht zum Dreikönigstag bezeichnet. In manchen Gebieten wird die Thomasnacht noch hinzugezählt.

Zumindest an den drei/vier besonders wichtigen Rauhnächten werden im Volksbrauchtum Haus, Hof und Stall vom Hausvater mit einer selbst zusammen gestellten Mischung aus Myrrhe, Weihrauch, Rosenblättern und Lavendel beduftet und beraucht und später mit Weihwasser gesegnet, Kerzen entzündet und Gebete gesprochen. Somit wird das Haus gereinigt vom „Alten des Jahres“ und vorbereitet auf das „Neue Jahr“. Es handelt sich hierbei um einen christliches Brauchtum.

Baambussln

Dieser alte Brauch in Bayern findet immer am 5.Januar in der letzten Rauhnacht statt. An diesem Abend machten die bäuerlichen Familien mit Kindern, Großeltern, Knechten und Mägden und allen Hausbewohnern einen Gang durch die Obstgärten. An jedem Baum wurde Halt gemacht, der Baum wurde vom jüngsten Kind umarmt, gebusselt und die Erwachsenen bedankten sich für das vergangene Jahr, die volle Blüte, die reiche Ernte und somit für die Geschenke des Baumes. Wahrscheinlich wurde der Gang mit Gebeten und Fürbitten begleitet. Das kleine Kind durfte dann nach der Umarmung, als Lohn für sein Tun, in eine Schmalznudel beißen.

Vielleicht probieren Sie es mit Ihren Bäumen auch aus? Allein, wie sich die Bäume im Winter anfühlen, ist diese Erfahrung wert!

Kletzenbrot

Das ist auch ein alter Brauch um die Rauhnachtszeit. Früher wurde auf den Höfen das Kletztenbrot aus Dörrzwetschgen, getrockneten Birnen und Roggenteig gebacken. Heute gibt es das traditionelle Brot auch in guten Bäckereien, mit vielen Gewürzen, Feigen, Nüssen, Zitronat und Orangeat und meistens noch mit einer kleinen geheimen Zutat. Es war auch in manchen Gegenden Brauch (siehe Baambusseln), dass die Bäuerin mit den mit Teig veklebten Händen von Baum zu Baum  ging, die Bäume umfasste und um reichen Segen fürs nächste Jahr bat. Nachdem man zu damaliger Zeit noch sehr bewusst mit Hausgeistern und unsichtbaren Hauswesen umging, wurde den Hausgeistern auch "das Ranftl"- das Endstück des Kletzenbrot-Laibes geschenkt, bzw. ins Herdfeuer gespendet, um sich auch für die kommende Zeit die Gunst der Wesen zu sichern.