Weisertwecken

Ein alter bayerischer Brauch zu Ehren der Geburt eines neuen männlichen Stammhalters...

Nach altem bayerischem Brauch ist es üblich, dass nach der Geburt des Stammhalters den Eltern von Freunden, Verwandten oder Nachbarn als Geschenk ein zum Zopf geflochtenes Weißbrot aus Weizenmehl übergeben wird. Dieser sogenannte Weisertwecken wird auch heute noch in einigen bayerischen Orten traditionell für den erstgeborenen Jungen dargereicht.

Je nach Gewicht des Kindes, ist der Wecken unterschiedlich lang. Pro Pfund Geburtsgewicht des Stammhalters wird ein Meter Teig gerechnet. Der fertige Weisertwecken wird auf einer Leiter schön hergerichtet und auf einem Holzwagen zum Wohnsitz der Familie transportiert. Der Wagen wird feierlich mit blauweißen Schleifen und Fichtenzweigen geschmückt. Oft werden auch kleine Strampler, Söckchen oder Lederhosen als zusätzliche Geschenke für die Eltern an den Wagen gehängt.

Der Umzug, bei dem zunächst alle ortsansässigen Freunde, Verwandte oder Vereinsmitglieder angefahren werden, wird häufig von Musikanten begleitet. Nachdem alle Gäste eingesammelt worden sind, geht es auf kürzester Strecke zum Elternhaus. Zur Übergabe des Weisertwecken wird üblicherweise ein Gedicht aufgesagt.

Im Anschluss wird von den Eltern die Wäsche abgehängt und der Wecken angebissen. Damit der Weisertwecken Glück bringt, muss er einmal komplett ins Haus getragen oder geschoben werden. Üblicherweise wird er dabei auch kurz in das Zimmer des Kindes gehoben. Danach wird der Wecken bei einer gemeinsamen Brotzeit verzehrt. Mit dem Weisertwecken geht der Wunsch einher, dass im Elternhaus der Brotvorrat niemals ausgehen soll und der Stammhalter sein Leben lang gesegnet ist.

Weisertwecken meiner Neffen

Als Tante war ich ja sehr stolz, bei dieser Veranstaltung dabei sein zu dürfen. In unserem Verein ist das nämlich eine Männerveranstaltung, das Schmücken, Fahren, Feiern. Aber am Schluss dabei zu sein, wie die Freunde und Vereinskameraden den Weisertwecken vom Anhänger bis ins Kinderzimmer heben, ist auch schön...

Interessieren würde es mich natürlich schon, wie viele Umwege die Burschen in Kauf nehmen, damit sie ihren Weg noch an den Häusern weiterer Vereinsmitglieder vorbeiführen. So können ein paar hundert Meter dann auch schon mal zwei Stunden dauern, die Gastfreundschaft ist groß. Glücklicherweise gibt es einen Bericht vom Protokollführer, der allen Gästen und natürlich auch den stolzen Eltern minutiös und humorvoll den Ablauf der überstandenen Strapazen schildert!

Hedwig Fuchs