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„Den ganzen Sommer in oam Glas“

Gschichterl über die Obstbrennereien in Bad Feilnbach

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Herr Christian Seebacher bei Arbeiten im Apfelgarten
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Herr Simon Eder an der Brennanlage
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Von  ihrem Besuch bei einer Obstbrennerei erzählt unsere Autorin Andrea Strauß

„Den ganzen Sommer in oam Glas!“ Seniorchef Christian Eder ist stolz auf das flüssige Obst in unseren Gläsern. Gut dreißig verschiedene Obst- und Beerensorten stehen fein säuberlich in Flaschen abgefüllt und beschriftet in den Holzregalen des Hofladens. In der vierten Generation brennt er aus den Äpfeln, Birnen, Kirschen und Zwetschgen, die in Bad Feilnbach wachsen, Schnaps. Sohn Simon führt in fünfter Generation die Brennerei bereits weiter. Was einst eine Möglichkeit war, das geerntete Obst weit über den Herbst und Winter hinaus haltbar zu machen, ist heute die hohe Kunst des Edelbrands.

„Ja, früher, halt ...,“ sagt Eder senior und lässt mit weit ausholender Geste und Wohlwollen für die Vorfahren alles offen. „Aber heut, da geht´s um Qualität. Is auch gut so.“ Vater und Sohn Eder wissen, wovon sie sprechen. Beide sind diplomierte Edelbrand-Sommeliers und begeisterte Brennmeister. Was es für einen guten Brand braucht? Eigentlich nur eine Brennerlaubnis, eine Brennerei, ein wenig Erfahrung (vier Generationen oder mehr), einen feinen Gaumen, Fingerspitzengefühl, präzises Arbeiten, Kreativität und - gutes Obst.

Dass es ausgerechnet zu Füßen des Wendelsteins so viel Obst gibt, ist ein Geschenk des Himmels. Und die Gunst des Bodens. Und die Kunst, die guten Seiten des Lebens zu sehen. Der Boden nämlich, bei uns mal liebevoll, mal gramvoll als „Loam“ bezeichnet, ist überwiegend lehmig. Bei Kindern noch beliebt, weil sich spielerisch Wurfgeschosse von hoher Treffgenauigkeit formen lassen, wandelt sich die Einstellung zur Scholle im Laufe des Lebens meist zusehends: Im Gemüsegarten, beim Ackerbau und beim Hausbau ist der Lehm gefürchtet. Wer aber Obstbäume hat, muss sich über Lehm nicht beklagen, zumindest nicht, wenn die Bäume erst einmal gesetzt sind und im Boden stehen. „Bewässern muss ich nicht. Was als Regen fällt, läuft im Lehm nimmer ab,“ sagt Christian Seebacher, einer der vielen Obstbauern in Bad Feilnbach.

Geschenk des Himmels ist die reiche Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Zwetschgenernte, weil bei uns die Sonne öfter scheint, als das im Alpenvorland vorgesehen ist. Wenn man ehrlich ist, bekommen wir von überall das Beste: Scheint auf der Alpennordseite die Sonne, dann sind wir dabei. Ist inneralpin das Wetter gut, dann schiebt der Erler Wind die Wolken bei uns als erstes weg. Unwetter aus Westen bleiben an den Bergen hängen. Und weil wir vor vielen Jahrtausenden vom Inngletscher tiefer gelegt wurden, ist´s auch eine Nuance wärmer. Selbst wenn es doch einmal regnet, trösten wir uns damit, dass „sich die Pflanzen freuen.“

Die Pflanzen, das sind für Familie Seebacher über 2000 Obstbäume, vor allem Apfel. Im April und Mai sind wir um jeden einzelnen froh. Was ist das für eine Pracht, wenn sie nach und nach zu blühen beginnen! Weiße Wolken im Frühlingsgrün. Weiße Wolken mit einem Hauch Rosa vor Himmelsblau. Weiße Wolken mit Kirchturmspitze oder mit Heuberg und Wendelstein im Hintergrund. Mit jedem Schritt, den man den Obstwiesen dann näher kommt, wird das Summen und Brummen der Bienen und Hummeln lauter. Die rund 30.000 blühenden Obstbäume rund um Litzldorf, Feilnbach, Wiechs, Au und Dettendorf, das mögen wissenschaftlich zwar Klimaindikatoren für den „Vollfrühling“ sein, aber in Wirklichkeit sind sie ein Lebensgefühl.

Das sehen die kleinen Kälber und die Rösser auch so, wenn sie die ersten Tage auf der Weide stehen, Luftsprünge machen, schmusen, sich necken und zwischen den blühenden Bäumen grasen. Traditionell wachsen die Apfel-, Birn- und Kirschbäume nämlich auf Streuobstwiesen. Praktisch ist das. Die Bäume haben Platz, die Tiere Schatten und immer noch genug Futter. Und der Mensch an jeder Wegecke einen neuen Grund für einen zufriedenen Stoßseufzer oder ein stilles Mei-is-des-schön.

Nach ein paar Wochen erinnern sich die Bäume, dass es in ihrer Natur ist, nicht nur Blüten, sondern auch Blätter zu haben. Aus dem Weiß wird Grün. Nochmals ein paar Wochen später reifen bereits die ersten Früchte. Zumindest bei uns. Denn im „Bayerischen Meran“, wie Bad Feilnbach auch genannt wird, geht es um große Vielfalt. „Übers Jahr kommen mit de Äpfel, des is des Ziel,“ erklärt Christian Seebacher.

Im Supermarkt kommt man auch „übers Jahr“ mit der Lieblingsfrucht der Deutschen, Äpfel gibt es immer. Sie kommen aus Italien oder den Niederlanden, aus Chile, Südafrika oder Neuseeland und haben teils lange Lagerzeiten in der Kühlung hinter sich. Allerlei Kniffe sorgen dafür, dass sie selbst im Jahr nach der Ernte noch glänzen, saftig sind, wohl geformt und keine Druckstellen oder Würmer haben. Daran ist zunächst auch nichts Schlechtes.

Aber es geht besser. Wenn man auf dem Seebacherhof von „übers Jahr kommen“ spricht, dann ist damit gemeint: Bioqualität, keine Kühlung, keine Tricks, viel Handarbeit. Etwa 90 verschiedene Apfelsorten wachsen in den Obstgärten der Familie. Reif werden sie nach und nach, so dass ab Juli die ersten Vitaminbomben im Hofladen zum Verkauf sind. Woche für Woche wird dann eine andere Sorte reif. Süße und säuerliche, rote und gelbe, große und kleine. Nur gespritzte Äpfel gibt es nicht. Muss auch nicht sein, denn für Schädlinge ist das Buffet einfach zu mager: Fünf Bäume von der einen Sorte und dann zehn von einer anderen? Uninteressant! Die große Sortenvielfalt und die kleinen, weit verstreuten Obstwiesen sind für uns eine Augenweide, aber für Apfelwickler & Co eine Zwangsdiät. Wer will das schon?

Wem die 90 Sorten, die übers Jahr im Laden des Seebacherhofs angeboten werden, zu wenig sind, der findet im Oktober beim Feilnbacher Apfelmarkt vielleicht das Richtige: 200 verschiedene Sorten und noch viel mehr weiterverarbeitete Produkte haben die Erzeuger aus der Gegend dabei, von der „alten Sorte“ über den Apfel für Allergiker zum Apfelgelee, dem Edelbrand, den frischen Apfelküchel bis zum Strudel und den getrockneten Apfelringen. Äpfel sind eben sehr vielfältig. Man kann sie roh essen, als Saft oder Most trinken, zu Essig oder Schnaps verarbeiten, man kann damit die Grundlagen der Physik erarbeiten, falls man Newton heißt, man kann sie als Heilmittel verwenden - „an apple a day keeps the doctor away“ -, man kann sie vergolden und als Zeichen der Weltmacht in der Hand halten, während man zum Kaiser gekrönt wird.

Fast alles hat auch am Fuß des Wendelsteins Tradition. Schön anzuschauen sind die Obstbäume außerdem. „Einst hatt ich einen schönen Traum, da sah ich einen Apfelbaum,“ lässt Goethe seinen Faust sagen. Vielleicht hat er dabei ja an unsere Gegend gedacht?

-Andrea Strauß-