Regionale Osterbräuche

Über den "Palmesel", das "Graberl-Bier" und das glückliche Händchen beim "Oarscheibn"...

Palmesel vor dem Eselsmetzger gerettet

Die Osterwoche wird mit dem Palmsonntag eingeleitet. Palmbuschen sowie Prozessionen erinnern heute wie damals an den Einzug Christi in Jerusalem. Im Lauf der Jahrhunderte ersetzte man dabei die störrischen lebenden Esel durch hölzerne und setze auf diese eine Christusfigur. In der Reformationszeit bekämpfte man die Palmeselumzüge, denn sie arteten zu einer Volksbelustigung aus. In der Aufklärungszeit wurden die Palmesel von sogenannten "Eselsmetzgern" zerstört und verbrannt. Nur einige gut versteckte Palmesel konnten auf Speichern überleben.
Zum Bild oben rechts: Eine solche Kostbarkeit kann man beispielsweise in Wasserburg in der Heiliggeist-Spitalkirche neben dem Brucktor besichtigen. Der Palmesel wurde vom früheren Stadtpfarrer Josef Bauer entdeckt und den Wasserburgern gespendet. In die kleine Kirche kommen Besucher im Rahmen eines Besuchs des Ersten Imaginären Museums.

Etwas für "Ausgeschlafene"

Als "Palmesel" wird in so mancher Familie der bezeichnet, der am Palmsonntagmorgen als letzer aufsteht. Und auch an den drei Tagen vor Ostern ärgert man Langschläfer mit - im Grunde zwar nicht böse gemeinten - aber dennoch recht derben Beschimpfungen, wie dem "Gründonnerstagslümmel", der "Karfreitagsratschn" und der "Karsamstagsbritschn" ("Britschn" ist eine aufsässige, bösartige Frau). Erst am Ostersonntag, wo es wegen des traditionellen Besuchs der Osternacht recht schwer ist, lange im Bett zu bleiben, wird aus dem Spätaufsteher ein liebes "Osterlamm".

Die Kirchenglocken fliegen nach Rom

Am Gründonnerstag verstummen in den katholischen Kirchen die Glocken als Zeichen der Trauer. Der Volksmund sagt "Die Glocken fliegen nach Rom". Bis zur Osternacht werden die Gläubigen mit Klappern und Ratschen zur Liturgie gerufen. Eine besonders große Walzenratsche kommt beispielsweise in Wasserburg am Inn in der Jakobskirche zum Einsatz. Auch während des Jahres kann man sie dort bewundern.

Graberl-Bier am Karfreitag in Wasserburg am Inn

"In Wasserburg breitete sich die Karfreitagsstimmung bis in die Wirtshäuser aus…", berichtet ein Standardwerk über bairisches Brauchtum "…die Bauern sind schweigend vor einem Glassturz mit dem Leichnam Christi beim Graberl-Bier gesessen". Sogar Ludwig I. ließ sich verwundert von diesem Brauch berichten, als dieser zur Osterzeit in der Stadt verweilte. Und 1887 ist sogar eine Graberl-Bier-Probe dokumentiert. Der Brauch des "Graberl-Bieres" wird aber seit etwa 80 Jahren nicht mehr aktiv gepflegt. Der Wasserburger Chronist Josef Kirmayer führt letztmals 1929 einen Beleg.
Den Begriff "Graberlbier" kennen manche Wasserburger aber noch in einem anderen Zusammenhang aus jüngerer Zeit. So hat ein findiger Wirt aus einem kleinen Seitenfenster in der schmalen Friedhofsgasse lange Jahre "Graberl-Bier" verkauft, wenn an Allerheiligen die Besucher vom Familiengrab am nahen Friedhof vorbei strömten.
Zum Bild oben mitte: Das "Graberl-Bier" in einer frühen Werbeaktion aus dem Jahre 1926. Bei leckerem Fisch dürfte es wohl schon etwas geselliger zugegangen sein.

"Oarscheibn"

Zu Ostern gehört auch das "Oarscheibn" am Ostersonntag und Ostermontag, das noch von vielen Familien in Bayern praktiziert wird. Zwei Rechen werden nebeneinandergelegt. Dann lässt man die Ostereier über die Rinne, die die Rechenstiele jetzt bilden, hinunterrollen. So geht das Spiel: Auf das erste Ei, das über die Rinne im Gras landet, wird ein Cent gelegt. Der nächste Mitspieler muss jetzt versuchen, mit seinem Ei das Geldstück vom anderen Ei runterzustoßen, natürlich auch auf die gleiche Weise über die Rechenstiele. Wenn dies gelingt, gehört dem zweiten Mitspieler das Geld.