Regionale Osterbräuche

Über den "Palmesel", das "Graberl-Bier" und das glückliche Händchen beim "Oarscheim"...

Das Osterfest ist neben Weihnachten ein sehr bedeutsames Fest im christlichen Glauben, das Hochfest der westlichen Kirche. An den Ostertagen wird die Auferstehung Jesu Christi von den Toten gefeiert.
Die Osterwoche wird mit dem Palmsonntag (der Sonntag vor Ostern) eingeleitet. Palmbuschen sowie Prozessionen erinnern heute wie damals an den Einzug Christi in Jerusalem. Das österliche Wochenende beginnt mit dem letzten Abendmahl am Gründonnerstag (althochdeutsch für Grunen bzw. Weinen), dem Karfreitag (althochdeutsch kara: Jammer) -Todestag von Jesu Christi -, dem Karsamstag (Tag der Grabesruhe des Herrn) und hat den Höhepunkt mit dem Ostersonntag und -montag. Auffallend ist, dass von Gründonnerstag bis Ostersonntag keine Kirchenglocken geläutet werden. Am Ostersonntag früh morgens wird in vielen Kirchen die Osternacht und damit die Auferstehung Christi mit der Entzündung der Osterkerze gefeiert. Das Symbol des Osterlichtes soll Jesus Christus, als Licht der Welt, wiederspiegeln.

Im heidnischen Glauben war Ostern das Fest des Wiederauflebens, -erwachens von Wiese, Wald und Feld nach den Wintermonaten.

Der Ostersonntag ist in der Westkirche immer der Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond, im gregorianischen Kalender somit frühestens der 22. März und spätestens der 25. April. Von da ab beginnt die österliche Zeit, fortwährend bis Pfingsten (50 Tage nach Ostern). 40 Tage vor Ostern, von Aschermittwoch bis Karsamstag, geht die Fastenzeit voraus im Gedenken an Jesus, der in der Wüste fastete.

Im Laufe der Zeit haben sich bei vielen christlichen Familien Bräuche etabliert, wie das Ostereiersuchen (das Ei gilt als Symbol der Wiedergeburt), "Osterlamperl" (das Lamm Gottes, oft mit Siegesfahne dargestellt und steht für die Auferstehung Christi) essen oder die geweihte Osterkerze. Zum bayerischen Osterfest gehört auch das "Oascheim" und weitere Bräuche, die in der Region noch alljährlich zelebriert werden.

"Oascheim"

Zu Ostern gehört auch das "Oascheim" am Ostersonntag und Ostermontag, das von vielen Familien in Bayern praktiziert wird. Zwei Rechen werden nebeneinandergelegt. Dann lässt man die Ostereier über die Rinne, die die Rechenstiele jetzt bilden, hinunterrollen. So geht das Spiel: Auf das erste Ei, das über die Rinne im Gras landet, wird ein Cent gelegt. Die Mitspieler müssen jetzt versuchen, mit ihrem Ei das/die Cent-Stücke von dem/den anderen Ei/ern runterzustoßen auf die gleiche Weise über die Rechenstiele. Wem dies gelingt, darf die Münzen behalten.

Palmesel vor dem Eselsmetzger gerettet

Die Osterwoche wird mit dem Palmsonntag eingeleitet. Der Palmsonntag verdankt seinen Namen den Palmzweigen, unsererorts mit Weidenkätzchen, Buchsbaum oder Immergrün als Palmbuschen gebunden. Die Palmbuschen werden nach altem Brauch mit bunten Bändern verziert und den gesegneten Palmzweigen werden besondere Kräfte zur Abwehr von Krankheiten, Unglücken und Unwettern beigemessen. Einige Zweiglein bewahrt man deswegen im Herrgottswinkel auf.

Im Lauf der Jahrhunderte ersetzte man dabei die störrischen lebenden Esel durch hölzerne und setzte auf diese eine Christusfigur. In der Reformationszeit bekämpfte man die Palmeselumzüge, denn sie arteten zu einer Volksbelustigung aus. In der Aufklärungszeit wurden die Palmesel von sogenannten "Eselsmetzgern" zerstört und verbrannt. Nur einige gut versteckte Palmesel konnten auf Speichern überleben.
Zum Bild oben rechts: Eine solche Kostbarkeit kann man beispielsweise in Wasserburg in der Heiliggeist-Spitalkirche neben dem Brucktor besichtigen. Der Palmesel wurde vom früheren Stadtpfarrer Josef Bauer entdeckt und den Wasserburgern gespendet. In die kleine Kirche kommen Besucher im Rahmen eines Besuchs des Ersten Imaginären Museums.

Etwas für "Ausgeschlafene"

Als "Palmesel" wird in so mancher Familie der bezeichnet, der am Palmsonntagmorgen als Letzter aufsteht. Und auch an den drei Tagen vor Ostern ärgert man Langschläfer mit - im Grunde zwar nicht böse gemeinten - aber dennoch recht derben Beschimpfungen, wie dem "Gründonnerstagslümmel", der "Karfreitagsratschn" und der "Karsamstagsbritschn". Erst am Ostersonntag, wo es wegen des traditionellen Besuchs der Osternacht recht schwer ist, lange im Bett zu bleiben, wird aus dem Spätaufsteher ein liebes "Osterlamm".

Die Kirchenglocken fliegen nach Rom

Am Gründonnerstag verstummen in den katholischen Kirchen die Glocken als Zeichen der Trauer. Der Volksmund sagt "Die Glocken fliegen nach Rom". Bis zur Osternacht werden die Gläubigen mit Klappern und Ratschen zur Liturgie gerufen. Eine besonders große Walzenratsche kommt beispielsweise in Wasserburg am Inn in der Jakobskirche zum Einsatz. Auch während des Jahres kann man sie dort bewundern.

Graberl-Bier am Karfreitag in Wasserburg am Inn

"In Wasserburg breitete sich die Karfreitagsstimmung bis in die Wirtshäuser aus…", berichtet ein Standardwerk über bairisches Brauchtum "…die Bauern sind schweigend vor einem Glassturz mit dem Leichnam Christi beim Graberl-Bier gesessen". Sogar Ludwig I. ließ sich verwundert von diesem Brauch berichten, als dieser zur Osterzeit in der Stadt verweilte. Und 1887 ist sogar eine Graberl-Bier-Probe dokumentiert. Der Brauch des "Graberl-Bieres" wird aber seit etwa 80 Jahren nicht mehr aktiv gepflegt. Der Wasserburger Chronist Josef Kirmayer führt letztmals 1929 einen Beleg.
Den Begriff "Graberlbier" kennen manche Wasserburger aber noch in einem anderen Zusammenhang aus jüngerer Zeit. So hat ein findiger Wirt aus einem kleinen Seitenfenster in der schmalen Friedhofsgasse lange Jahre "Graberl-Bier" verkauft, wenn an Allerheiligen die Besucher vom Familiengrab am nahen Friedhof vorbei strömten.
Zum Bild oben mitte: Das "Graberl-Bier" in einer frühen Werbeaktion aus dem Jahre 1926. Bei leckerem Fisch dürfte es wohl schon etwas geselliger zugegangen sein.