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Faschingsgschichtn

Wisst ihr eigentlich, was bei uns im Chiemsee-Alpenland im Fasching so los ist?

Container
Kostümierte Menschen bei Faschingstreiben auf dem Marktplatz unter bunten Girlanden
Brautpaar der Bettelhochzeit Brannenburg 2026 zusammen mit dem Hochzeitslader Quirin Schwaiger
Brautpaar der Bettelhochzeit Brannenburg 2026

Einen Grund zum Feiern finden wir immer! So entstand auch die Geschichte rund um die ersten Schäffler, die im Mittelalter nur deshalb getanzt hätten, um die ängstlichen Menschen während der Pest wieder auf die Straße zu locken. Um ihnen mit ihren feschen roten Jacken, den schwarzen Bundhosen und den Hüten mit den Federbüschen, mit ihrer Musik und den gekonnten Reigen zu zeigen: Wir leben noch! Und ihr solltet es auch tun! 

Alle sieben Jahre tanzen die Schäffler seitdem. Anfangs nur in München, dann brachten wandernde Handwerksgesellen die Gaudi auch ins Umland mit - einen Grund zum Feiern finden wir immer! Kolbermoor und Wasserburg sind deshalb lange schon stolze Schäfflerorte. Kein Kommerz konnte den Turnus verkürzen, da sind wir sehr stur. Nur einmal ließen die schneidigen Schäffler in den letzten Jahrhunderten einen Grund gelten, um außer der Reihe zu tanzen: Im Mai 2022 als Aufmunterung während der Corona-Pandemie. 

Ob der Schäfflertanz eine Faschingsmaskerade ist? Eigentlich nicht so recht. Aber es gibt Gemeinsamkeiten. Die Schäfflertänze bei uns finden nämlich in der Faschingszeit statt, im Januar und Februar. Und wie bei den meisten Veranstaltungen im Fasching wird getanzt und musiziert. Am Schluss gibt es ein Schnapserl - vorausgesetzt die Reifenschwinger haben den Inhalt des Stamperls nicht während der Tanzfiguren verschüttet. Kann das passieren? Ich habs noch nicht erlebt. 

Sieben Jahre von Schäfflertanz zu Schäfflertanz, das ist eine lange Zeit, aber noch gar nichts im Vergleich zu einer echten Bettelhochzeit. Die Ingredienzien zu einer Bettelhochzeit sind kompliziert. Man braucht einen feschen Bräutigam und eine passende Braut. Die ist in diesem Fall auch ein Mann. Um den Spaß für die Zuschauer perfekt zu machen, überragt die Braut den Bräutigam erheblich und ist auch sonst ein Gegenentwurf zu einer "normalen" Braut. Was die Natur der Bettelbraut nicht geschenkt hat, kann dann gern mit Schminke, falschem Haar, viel Polstermaterial und hohen Absätzen ergänzt werden. Dann braucht man noch einen Misthaufen. Auf dem findet die Trauung statt. Brautmutter, Trauzeugen, Verflossene, Hochzeitsredner - sie alle dürfen ihre Fantasie ausleben während der "Bettelhouzat". Anschließend an die Vermählung und den ersten Kuss des neuen Paars gibt es einen Hochzeitsumzug. Es ist keine Übertreibung, wenn man behauptet, dass in den Wochen und Monaten vor der Hochzeit die Welt still steht. Im Dorf gibt es nur noch ein Thema. Zumindest in diesem Punkt sind Hochzeit und Bettelhochzeit gleich. Da werden Kostüme hergestellt oder eingetauscht, Einladungen entworfen und verschickt, Abläufe festgelegt und die Umzugswägen werden dekoriert. Manch einer bereitet seinen Einsatz bei der Bettelhochzeit gewissenhafter vor als das Jawort vor dem Standesbeamten oder dem Pfarrer. Jedes Jahr eine Bettelhochzeit? Nein, das würde selbst die fleißigste Gemeinde nicht schaffen. Geheiratet wird in Brannenburg zum Beispiel alle 25 Jahre, in manchen anderen Orten muss die Hochzeitsgesellschaft nicht ganz so lange warten. 

25 Jahre warten, um ausgelassen zu feiern, das wollen wir nicht. Da sind schon 7 Jahre zu lang. Deshalb hat fast jeder Ort sein Faschingskranzl. Mal treffen sich die Senioren, mal die Burschen, mal die Dirndl, mal sitzt man im Vereinsheim des Sportvereins, mal lädt die Freiwillige Feuerwehr ein. Da wird gelacht, getanzt, verkleidet und manchmal traut man sich, dem Tanzpartner endlich zu sagen, wie nett man ihn findet. 

Auf jeden Fall, der Fasching wird "ernst" genommen bei uns. Egal, ob man im Dorfleben fest integriert ist oder nur für ein paar Tage im Urlaub hier ist. Egal, ob man auf einem der aufwändig dekorierten Wägen bei einem Faschingsumzug mitfährt oder als Zuschauer die Süßigkeiten auffängt. Bad Aibling, Vagen, Rohrdorf, Neubeuern, Bad Endorf, Prutting, Oberaudorf oder Chieming haben ihre eigenen Umzüge. Nicht alle Faschingszüge finden jährlich statt, die Orte wechseln sich ab. Welcher der schönste ist? Alle. Jeder ist für sich schön. 
 
Besonders ausgelassen geht es bei den festlichen Bällen zu, ob in Wasserburg, Bad Aibling, Bad Endorf, Prien am Chiemsee, Aschau im Chiemgau oder bei den größten Bällen in Rosenheim. Spätestens jetzt wird klar, dass zwischen dem 11.11. und dem Faschingsdienstag eine fünfte Jahreszeit liegt - oder sogar eine sechste, wenn man das Rosenheimer Herbstfest mitzählt? Die Hauptpersonen dieser besonderen Zeit? Das Prinzenpaar! Prinzessin und Prinz wird man nicht von ungefähr. Zwar muss der Faschingshochadel kein blaues Blut haben, aber tanzen sollten sie schon können. Wir fragen also bei einer echten Prinzessin persönlich nach: 

"Prinzessin Marina II., strahlende Hoheit aus dem Wolkenreich der fliegenden Einhörner, wie wird man Prinzessin?" "Mit viel Leidenschaft! Manchmal muss man sich bewerben, aber in meinem Fall hat es sich so ergeben." 
"Und der Prinz?" "Den durfte ich mir aussuchen. Auch unseren Walzer konnten wir selber wählen. Wir haben uns für einen Klassiker entschieden: 'An der schönen blauen Donau' von Johann Strauß. Den haben wir getanzt, bis die Schuhe durch waren!" 

Ja, die Faschingszeit nehmen wir ernst. Die festlichen Bälle haben Stil, die Säle sind groß, mit Aufwand dekoriert und mit Liebe beleuchtet. Wer hier den Prinzenwalzer tanzen darf, kann davon ausgehen, dass das Publikum jede Drehung aufmerksam verfolgt und mit jeder Bewegung mitgeht. Das monatelange Training von Prinz und Prinzessin lohnt sich da. Aber es sind nicht nur die Prinzenpaare der verschiedenen Gilden auf der Bühne, es gibt auch Showtanzeinlagen, und die sind einfach sehenswert. Da fiebert das Publikum mit und freut sich beim Applaus schon darauf, endlich selbst das Tanzbein zu schwingen. Mit dem "Vor-Seit-Ran" der ersten Tanzstunde haben die Vorführungen der Showtänzer allerdings wenig gemeinsam. Da sehen wir zirkusreife Akrobatik, raffinierte Choreographie und einen farbigen Wirbel von Kostümen. Höhepunkte sind die Hebefiguren. Prinzessin Marina II. bekommt leuchtende Augen und schwärmt: "Ab und zu fliegt eine Tänzerin durch die Luft, als hätte sie Flügel.“ 

Seinen Namen soll der Fasching vom "Fastenschank" bekommen haben, also vom letzten Ausschank vor Beginn der Fastenzeit. Ja, auch die fünfte Jahreszeit endet irgendwann. Spätestens am Unsinnigen Donnerstag beginnt mit dem Weiberfasching der Endspurt. Am Ruaßigen Freitag freuen sich nicht nur die Kinder darauf, sich die Gesichter schwarz zu färben. Es folgen das Faschingswochenende, der Rosenmontag mit Bällen und Umzügen, der Faschingsdienstag ... Am Aschermittwoch ist die närrische Zeit zu Ende. Marinas Tanzschuhe sind durchgetanzt und kommen in die Vitrine (Faschingsprinzessin wird man nur einmal im Leben!), das Ballkleid bekommt seinen Ehrenplatz. Vorher aber lassen es Prinz und Prinzessin zusammen mit allen anderen Faschingsbegeisterten nochmals richtig krachen. Der Kehraus und die letzten Tänze gehören zum Höhepunkt des Faschings! Bei ihnen wird der Fasching wortwörtlich zu Grabe getragen. 

-Andrea Strauß-